SO INDIVIDUELL IST EINE NAMIBIAREISE

Erlebnis Safari

05.03.2019

Erlebnis-Safari der besonderen Art: Karneval in Namibia

ERLEBNIS SAFARI

Karneval in Windhoek
© Windhoek Karneval

Karneval ist ein kulturelles Phänomen, das mehr bedeutet als Klamauk, Alkohol und Flirt. Er wirkt über alle sozialen Schichten hinweg verbindend und stellt gesellschaftliche wie politische Fragen in den Fokus – locker und leicht. An Karneval nehmen wir uns selbst nicht so ernst und immer wieder auf den Arm. Das zeigt auch der Karneval in Windhoek – Sie lesen richtig. Hier, wie an sechs anderen Stellen des Landes, wird jeckes Brauchtum gepflegt, allerdings weniger politisch als hierzulande. In der Hauptstadt heißt es dann: „One Namibia, One Nation – One Windhoek Carneval Celebration“. Deutsches Kulturgut hat seinen Platz im unabhängigen, modernen Namibia gefunden.

Inhalte

  • Wo man in Namibia überall Karneval feiert
  • Interview mit Holger Mentzel, Präsident der Karnevalsgesellschaft Windhoek 1952
  • So lässt sich namibischer Karneval in eine Tour integrieren 

Karneval im ganzen Land und fast ein halbes Jahr

Am Aschermittwoch ist also doch nicht alles vorbei. Wer mag, packt sein Kostüm nicht auf den Speicher, sondern in den Koffer und macht sich auf die Ringelsocken nach Windhoek, Witvlei oder Walvis Bay. Hier wird bereits im März gefeiert. Lüderitz schließt an im April, dann folgen Swakopmund, Otjiwarongo und Tsumeb. Man kann sagen, im gesamten Land haben sich Karnevalshochburgen entwickelt, die teils über Wochen verschiedene Feste feiern. Das ist für die namibischen Karnevalisten praktisch: Sie können sich gegenseitig besuchen. Vom Biwak – einem jecken Feldlager – bis zur Prunksitzung gibt es alles, was an Rhein und Main Tradition hat.

Alles begann im Jahr 1952 mit zwei Herren aus dem hessischen Friedberg, die nach Namibia auswanderten und ihre Liebe zum Karneval mitnahmen. Den Auftakt machte eine karnevalistische Veranstaltung in Outjo. 1953 gingen die zwei nach Windhoek und riefen den WiKa ins Leben.

Köln und Mainz sind die Vorbilder für WiKa, KüsKa oder LüKa. Das Prinzip der Namensgebung ist schnell erfasst: WiKa ist der Windhoek Karneval, KüsKa nennt sich der Küstenkarneval in Swakopmund, LüKa der in Lüderitz. Wer sich das Prinzip merkt, kann auch gleich begeistert beim Zug oder auf den Sitzungen in den Chor einstimmen. Die Abkürzungen ersetzen das heimische „Alaaf“ oder „Helau“. Büttenreden und Ansprachen werden auf Deutsch und Englisch gehalten.

Los geht es, wie bei uns, am Elften im Elften – der Kick-off. Ein Traum für alle Funkenmariechen, denn die Temperaturen passen dann zum kurzen Röckchen. Im November erlebt Namibia große Hitze. Darum hat man wohl alle weiteren Festivitäten in die kühlere Jahreszeit des namibischen Herbstes gelegt.

Diese traditionelle Art Karneval zu feiern, ist das Ding der Namibiadeutschen. Die Karnevalisten bilden eine feierfreudige Gemeinschaft, die von LüKa bis TsumKa die Feste feiern wie sie fallen. An den Umzügen nehmen alle ethnischen Gruppen Namibias teil.

Windhoek Karneval
Windhoek Karnevalsumzug – © Heiner Dillmann
Windhoek Karneval - Prinzenball
Windhoek Karneval Prinzenball – © Heiner Dillmann
Windhoek Karneval
Windhoek Karnvalsumzug – © Heiner Dillmann

Karneval inside:  Ein Präsident gibt Auskunft

Holger Mentzel ist WiKa-Präsident 2019 und beantwortet schriftlich unsere Fragen. Herzlichen Dank für diese Einblicke!

Sie sind gebürtiger Namibier?

Ich bin gebürtiger Namibier, abstammend von deutschen Eltern, welche 1952 nach Südwestafrika ausgewandert sind und sich dann auch hier kennengelernt haben. Meine Mutter kam aus Köln und mein Vater aus Bremen.

Haben Sie schon einmal Karneval in Deutschland gefeiert?

Das habe ich in der Tat schon öfters getan! Früher als “kleene Panz” stand ich in Kölle schon am Straßenrand und habe Kamelle eingesammelt. Später, bedingt durch unseren Verein, schlossen sich mehrere Besuche an, um Kontakt mit den deutschen Vereinen, Künstlern und Bands zu knüpfen und aufrecht zu erhalten.

Abgesehen von den Temperaturen – welchen Unterschied stellen Sie fest?

Grundsätzlich folgt unser Karneval vor allem dem rheinischen mit Tanzgarden, Elferrat, Prinzenpaar, Büttenrednern und allem Pipapo. Ein großer Unterschied ist die Zeitspanne in der gefeiert wird. Wir veranstalten unseren Karneval im April, weil es dann nicht mehr so heiß ist. Dann wird zehn Tage am Stück gefeiert.  Im Unterschied zu Deutschland sind wir kleiner, mehr lokal, in einer anderen Jahreszeit unterwegs, weniger Menschen (nicht Millionen beim Umzug wie in Köln) und deshalb persönlicher  – man kennt sich untereinander.

In Köln scheint sich der Partykarneval durchzusetzen: Weniger Wortbeiträge, mehr chartverdächtige Songs. Wie ist es in Windhoek: alles beim Alten oder erkennen Sie Veränderungen?

Stimmt, was Sie über Köln sagen. Denen gehen auch die Redner aus und es wetteifern die Bands um die jährlichen besten Karnevalssongs. In Windhoek bemühen wir uns trotzdem, immer wieder Redner für die Bütt zu begeistern, um eben diese Tradition aufrecht zu erhalten. Die großen Bands von Köln gibt es hier nicht. Früher hatten wir mal die Räuber hier, das Eilemann-Trio und andere. Aber heutzutage ist das aus Kostengründen nicht mehr zu bewältigen, zumal wir jedes Jahr unsere Sitzungskapelle aus Deutschland buchen, um den Karneval mit traditionellen Karnevalsliedern, aber auch Tanz- und Partymusik zu begleiten.

Wie viele Mitglieder hat WiKa?

Obwohl wir eine Karnevalsgesellschaft sind, haben wir keine zahlenden Mitglieder, welche sich dem Verein anschließen. Es existiert ein Komitee mit etwa 30 Ehrenamtlichen, die den Karneval organisieren. Hinzu kommen etwa 400 Aktive, welche zur Karnevalszeit in sämtlichen Bereichen tätig sind.

 Gibt es Nachwuchssorgen oder macht auch die Jugend gerne mit?

Nein, gibt es nicht. Die Jugend macht gerne mit, aber man muss sich stets kümmern und auf sie zugehen!

Übt der namibische Karneval eine starke Anziehungskraft auf Touristen aus?

Nicht unbedingt eine “starke” Anziehungskraft. Es gibt viele Touristen, welche einen karnevalistischen Hintergrund haben und ihre Namibiareise so buchen, dass sie die eine oder andere WiKa-Veranstaltung besuchen können. Es gab aber auch schon ganze Karnevalsvereine, welche eine Karnevalsreise zu uns nach Namibia gebucht hatten. 

Denken Sie, hier liegt noch mehr Potenzial?

Auf jeden Fall!

WiKa-Präsident Holger Mentzel
© Windhoek Karneval
Windhoek Karneval
© Windhoek Karneval

Gibt es Austausch mit Karnevalsgesellschaften aus Deutschland?

Ja, wir haben schon jahrelange Beziehungen zum MCV in Mainz, nach Eschweiler (welche regelmäßig nach Windhoek reisen mit Fanfarentrompetern, Bands und als Regimentskorps usw.), Köln und Düsseldorf. Weiterhin bestehen Bekanntschaften nach Kalifornien, Australien und Kanada. Wir fahren zum Beispiel am Rosenmontag 2019 in Eschweiler auf einem eigenen Wagen mit!

Gibt es „Spielregeln“, die Touristen beachten sollten?

Ich denke schon! Man sollte unseren Karneval einfach genießen und mitfeiern. Warum muss alles politisiert und verdreht werden? Wir feiern auf unsere Art, versuchen dieses deutsche Kulturgut zu erhalten im Rahmen, der uns gegeben ist.

Was wird gegessen und getrunken?

Außer der traditionellen deutschen Küche gibt es für jeden Geschmack das Passende. Je nach Veranstaltung serviert man Buffet, Telleressen und Imbisse. Getrunken wir unser Windhoek Bier, der Prinzensekt oder was auch immer der Gast gerne hätte. Die Namibia Brauerei ist ein großzügiger Sponsor des Karnevals und unterstützt auch später im Jahr das Oktoberfest.

Welche Inspiration gibt es für das jeweilige Sessionsmotto?

Das Motto entspringt eher unseren fantasievollen Vereinsmitgliedern, welche zu einer separaten Motto-Veranstaltung mehrere Vorschläge unterbreiten und dann wird abgestimmt. Wir wollen natürlich immer etwas Satire im Motto zeigen – mehr zur Gesellschaft und nicht zu politisch, weil wir da unsere Grenzen haben. Dennoch soll das Motto immer einfach zu verstehen sein – auch für Anderssprachige.

Ein Klick oder Besuch im Kaufhaus und schon ist das Kostüm klar. Wie ist es in Namibia? Werden die Kostüme mehr von Hand gearbeitet?

Hier bereitet man schon Wochen vorher sein Kostüm selbst vor. Besonders beliebt sind Gruppen, welche sich regelmäßig treffen und ihre Kostüme basteln. Das Ziel: hoffentlich den Gruppenpreis fürs beste Kostüm ergattern. Es gibt aber auch kleine Kostümverleih-Geschäfte, wo man sich für die tollen Tage etwas ausleihen kann.

Kann man als Tourist eine Karte kaufen und am Sitzungskarneval teilnehmen?

Ja, wir sind inzwischen auch digital platziert und man kann Tickets online unter www.wika.na erwerben. Dies gilt hauptsächlich für den Sitzungskarneval mit Platzreservierung. Bei anderen Veranstaltungen zahlt man einfach an der Kasse am Eingang.

Namibischer Karneval – lässt sich mit jeder Tour verbinden

Familien-Safari, Entspannung pur oder Mountainbike-Tour: Namibia ist offen für jede Form von Urlaub. Namibia Individual arrangiert jede Safari nach den persönlichen Wünschen der Gäste. Wer also Spaß am Karneval in Namibia hat, wählt den afrikanischen Herbst und Winter als Reisezeit. Wir recherchieren passende Events im Land und machen individuelle Vorschläge. 

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