Mowani Mountain Camp
SO INDIVIDUELL IST NAMIBIA

Namibia Safari

Reisen in Pandemiezeiten

30.05.2021

Damaraland, Brandberg und Swakopmund: von Bergen und Meer

Unser Educational-Trip durch Namibia im Mai 2021 #2

NAMIBIA REISE

Wüstenelefanten

Selfdrive bedeutet dieses Mal: Wir sind 2.336 Kilometer mit dem VW Amarok unterwegs – manchmal auf Teerstraße, meist auf Gravel Road. Dabei haben wir das Navi kaum genutzt und uns anhand der Landkarte orientiert. Überhaupt lebten wir überwiegend offline. WLAN gab es zwar in jeder Lodge oder im Guesthouse. Und wir fütterten dann den Newsfeed von @namibia.individual auf Instagram. Aber sonst: Social Media Detox. Dafür gab es Gespräche. Zunächst häufig über Corona. Mit der räumlichen Distanz bemerkten wir, wie tief das Thema in unserem Kopf und Gefühl verwurzelt war. Mit der Zeit lösten wir uns davon und entdeckten wieder andere Themen. Wir haben sehr viel gelacht während des Trips! Reisen macht weit – im Herzen und im Kopf.

Inhalt:

  • Den Wüstenelefanten auf der Spur
  • Sleep Out am Brandberg
  • Urbane Abwechslung in Swakopmund

Tag 4: Tschüss Teerstraße, hallo Wildnis – Abenteuer Damaraland

Wir verlassen die Etosha-Region in Richtung Twyfelfontein. Nach drei Stunden Fahrt steigen rote Lavafelsen rechts und links der Teerstraße empor – Vorboten einer atemberaubenden Landschaft im Damaraland. Wir steuern Mowani an. Die Lodge liegt in einer bizarren Umgebung von Kugelfelsen. Trockene Luft umweht uns und die Temperatur erreicht mittags über 35 Grad. In dieser ariden Gegend beziehen wir für zwei Tage unser Chalet im Stil einer Rundhütte. Zum Check-in nehmen wir neben der Vogeltränke Platz. Liebesvögel, Tauben und andere Vögel (wir sollten uns endlich der Ornithologie zuwenden) flattern umher. Auf Mowani ist man der Natur sehr nah. Wie sehr, zeigt der nächste Tag. Doch zunächst verzaubert uns einer der schönsten Plätze Namibias für den Sundowner. Wir betreten oberhalb der Lodge ein Plateau und blicken in die weite Landschaft. In der Ferne regnet es. Die untergehende Sonne verwandelt Regentropfen in Gold … magisch!

Mowani Mountain Camp
Mowani Mountain Camp

Tag 5: Mit Rosie bei den Wüstenelefanten

Der morgendliche Himmel schimmert Tintenblau. Die Sterne verblassen. Um sieben Uhr machen wir uns mit Rosie auf in die Welt der Wüstenelefanten. Eine besondere Frau wird für uns die Spuren lesen. „Ich bestand als erste namibische Frau mit dunkler Haut diese Prüfung“, erzählt die Damarageborene. Stolz darüber zeigt sich noch heute auf ihrem frohen, aufgeschlossenen Gesicht. Sie gehört zur ersten Generation von Locals, die aktiv für die Arbeit im Tourismus geworben und professionell ausgebildet wurden.  

An diesem Morgen war das Glück auf unserer Seite. Der Weg führt am gepflegten Airstrip vorbei und genau hier erkennt Rosie frische Spuren. Sie führen hin und zurück. Hin zur künstlichen und extra gesicherten Wasserstelle der Twyfelfontein Lodge, zurück in die Berge. Sie kombiniert im leisen Selbstgespräch und lenkt den Geländewagen sicher über den steinigen, sandigen Grund. Wahrhaftig: Vor den Felsen stehen die Elefanten und frühstücken frische Pflanzen. Wir nähern uns und Rosie findet im Verlauf der nächsten zwei Stunden immer wieder perfekte Standorte für Beobachtung und Fotos. Wir fühlen uns sicher und Rosie beantwortet alle Fragen. Frischen Kaffee, duftige Muffins und Quiches im Miniformat bietet sie uns obendrein an. Die Stärkung tut gut, denn das einzigartige Naturerlebnis macht hungrig. Friedvolle Stille erfasst uns. Wir sind einfach glücklich.

Rosie, unser Guide
Desert adapted Elephant Namibia Individual

Tag 6: Richtung Brandberg

Der Brandberg: Das höchste Massiv Namibias haben wir schon in so vielen Szenarien bestaunt. Vor allem bei großer Hitze scheint sich der rötliche Stein optisch zu verflüchtigen. Heute zeigt er sich in mystischem Blau. Eine Wolke ist im Damaraland gelandet! Und wirklich: In der Nacht regnete und stürmte es. Okay, wir sind in der wilden Natur! Die drückende Luft begleitet uns auf dem Weg nach Uis. Kaum erreichen wir die Ortschaft, reißt der Himmel auf und blauer Himmel strahlt unsere Unterkunft an. Das Uis Guesthouse ist in klarer, moderner Architektur erbaut und umgibt als Rechteck den Innenhof mit Pool. Die Zimmer vermitteln Industrie-Atmosphäre. Ein guter Bezug zu Uis als Standort für Minenarbeit. Von hier unternimmt man Ausflüge zur „White Lady“ am Brandberg, Mountain Bike-Touren sowie Elephant Drives in die Umgebung. Wir freuen uns auf die familiäre Atmosphäre, die unsere Gastgeber Kerstin und Anton schaffen.

Kerstin, unsere Gastgeberin im Uis Elephant Guesthouse

Tag 7: Industrie und Natur

Uis entstand als Siedlung für Minenarbeiter. Und bis heute finden die meisten Leute im Tagebau ihre Arbeit. Aus dem weißen Gestein waschen sie kleine, schwarze Partikel: Zinn. Die natürliche Schönheit der Landschaft ist hier zerstört. Ein Anblick, den man in Namibia nicht erwartet.

Nach einem erfrischenden Bad im Pool genießen wir unseren Lunch im Cactus Café. Die ehemalige Gärtnerei empfängt uns in luftig-freundlicher Atmosphäre. Der griechische Salat und die Thunfisch-Sandwiches sind köstlich! Jetzt ein paar Kleinigkeiten zusammen packen und los geht‘s zum Sleep Out Richtung Brandberg. 

Wir begleiten Leander Borg von Nature Friend Safaris, den Gründer unserer Partneragentur in Namibia. Er ist mit uns offroad unterwegs auf der Suche nach einem guten Sundowner Spot. Hier trifft die Aussage: Leander kennt in dieser Gegend jeden Stein. Und wahrhaftig: Wieder erleben wir den Brandberg in einem neuen Licht.

Anton hat die Location schon gerichtet. Auf dem Feuer köchelt der „Potjie“ in einem gußeisernen Topf. Was ist drin? Das kommt drauf an! Welches Fleisch oder Gemüse ist gerade zur Hand. Mag man das Potjie gerne scharf oder mild? Antons Variation schmeckte köstlich! 

Bei einem Glas Wein wird geredet: über den Tourismus in Zeiten von Corona, Modernisierungen, Pläne für die Zukunft. Namibier sind sehr fleißig und sehr flexibel. Sicherheiten, die unsere Systeme bieten, kennen sie nicht. Diese Unternehmer sind utopische Realisten. Oder realistische Utopisten. Nie hören wir Klagen. Immer sprechen wir mit Leander und mit Managern über Möglichkeiten, die sich nach der Pandemie ergeben, nie über Einschränkungen. Über uns funkeln Milliarden Sterne … wir sind nur ein klitzekleiner Teil der Erdengeschichte. Aber wir sollten unseren Part gut und wohlgemut erledigen. Dann strahlen wir auch.

Das Brandbergmassiv
Sleep Out
Lagerfeuerstimmung

Tag 8: Des eigenen Glückes Schmied … Interview mit Sebastian Klein in Swakopmund

Auf der schnurgeraden „Patt“ Richtung Swakopmund kommt uns die typische, roséfarbige Nebelbank entgegen. Hallo Swakopmund! Der eiskalte Benguelastrom und heiße Luft lassen Wasser des Atlantiks verdunsten und das Landesinnere erhält Erfrischung.  

Wir sind in Swakopmund zum Interview verabredet mit Sebastian Klein. Zuvor steuern wir das Village Café an. In dem farbenfrohen Ambiente schmecken Rock Shandy, Red Cappuccino und Sandwiches doppelt gut. Von hier geht es zu einer der schönsten Ecken der Küstenstadt, wo die von Palmen gesäumte Daniel Tjongarero Avenue beginnt und das Schaufenster eines Goldschmieds die Blicke anzieht: Werkstatt und Showroom von Sebastian Klein.

Sebastian ist Namibier, erhielt seine Ausbildung in Köln sowie Münster und führt nun die Familientradition in sechster Generation und zeitgemäß fort. Dazu gehört, die Edelsteinminen der Familie mit den Partnern nachhaltigen Standards anzupassen. Turmalin, Granat und Quarz – um nur einige der Edelsteine zu nennen –  werden als Rohmaterial gefördert und auf den Markt gebracht. Sebastian wählt, was seine Kreativität beflügelt. Er vereint sämtliche Gewerke rund um das Goldschmieden in einer Person, ist in Namibia ein Solitär. In ihm sehen wir einen Vertreter der jungen namibischen Generation. Er denkt umfassend und konzentriert sich zugleich auf das Wesentliche: Sein Handwerk. Sebastian macht Swakopmund für kulturliebende Gäste wie Locals noch attraktiver. Hier einen Stein aus erster Hand wählen und ein Schmuckstück anfertigen lassen: Das ist ein besonderes Geschenk, das sich Namibias Gäste machen sollten. 

Zum Dinner geht es in das legendäre Fischrestaurant The Tug. Trubelige, lebensfrohe Stimmung empfängt uns. Den Sundowner nehmen wir „an Deck“ auf der Terrasse. Die Sonne versinkt golden hinter dem Horizont und verwandelt das gegenüberliegende „Jetty‘s“ in eine pechschwarze Silhouette. Diese Ikone der namibischen Gastronomie bildet den Schlusspunkt des hölzernen Piers und ist zur Zeit nicht im Betrieb. Den Grund erfahren wir leider nicht. Hoffentlich öffnet auch dieses Lokal wieder!    

Teil 3 unseres Educational Trips führt in die Namib – unseren Sehnsuchtsort. Bald weiter lesen oder noch besser: selbst hinfahren. Einige schöne Chalets für den Sommer 2021 sind noch frei!

Sebastian Kleine – Goldschmied
Anmeldung